… von “Joy of Movement” zu “Natural Time”

Der letzte Sonntagmorgen hat uns mit seinem Frühlingscharakter einen wunderbaren Rahmen für den Workshop zum ersten Prinzip von Nia “Joy of Movement” geschenkt. Für mich war er Abschluss einer turbulenten Woche.
Das Konzept für den Workshop sah eigentlich vor, in von mir nicht immer geliebten Haushaltstätigkeiten Freude zu empfinden. Hatte ich mir als gutes Workshopthema für die Saison des Frühjahrsputzes ausgedacht – aber es kommt eben oft anders als man denkt:
Am Wochenende vor dem Workshop, als ich so richtig mit Putzen einsteigen wollte, habe ich mir erst einmal eine tiefe Schnittwunde zugezogen. Die musste ich mir in der Notfallpraxis zusammenkleben lassen mit der Auflage, die Hand eine Woche keinem Wasser auszusetzen. Das war es dann mit meinem schönen Workshopplan, dachte ich.
Also alles auf Null, das Thema war Freude an der Bewegung, also beschloss ich, die schmerzende Linke zu meinem Thema zu machen. Meine geflickte Hand sollte meine Lehrerin werden. Sie sollte mir zeigen, wie ich mich, trotz Handicap und Schmerzen mit Freude bewege. Und es wurde eine spannende Erfahrung.
Nein, ich habe mich nicht absichtlich geschnitten und ja, ich habe meine Tollpatschigkeit erstmal verflucht, aber nach der ersten Gefühlswelle konnte ich mich dafür entscheiden, die Situation wertfrei anzunehmen und in meiner Einschränkung Freude zu suchen und zu erkennen, was alles geht.

Ich bin gespannt, auf welche Reise mich die Erforschung des zweiten Nia-Prinzips “Natural Time & the Movement Forms” in den kommenden zwei Monaten mitnimmt. Natural Time, natürliche Zeit – die Zeit, die in jedem Körper eingeschrieben ist und die nicht immer mit den Abläufen der äußeren Welt in Einklang steht. Ich könnte mir vorstellen, dass unser Familienumzug da ein spannendes Lernfeld sein wird – aber vielleicht überrascht mich auch da ein ganz anderer Lehrer – wie in diesem Monat meine linke Hand. Es bleibt eine spannende Reise … Und ich freue mich schon die in meinen Stunden und im nächsten Sonntagmorgen-Workshop am 13.4. mit euch zu teilen!

Don’t stop dancing!

Freude als Energie

“No pain, no gain”, kein Schmerz, kein Gewinn. Erst wenn ich richtig fertig aus dem Studio wanke, habe ich das Gefühl, etwas geschafft zu haben. So oder so ähnlich klingen manche Fitness-Überzeugungen. Der Körper ist dabei etwas, das es zu besiegen und zu unterwerfen gilt. Aber das ist ein Kampf, der keinen Gewinner haben kann. Entweder der Körper wird bezwungen und gibt irgendwann physisch auf oder er wird nicht bezwungen und das Selbstwertgefühl leidet.

Die Empfindung, die der Körper von sich aus sucht, ist Freude, Schmerz sucht er zu vermeiden. Und diese Fähigkeit nutzen wir oft, zum Beispiel, beim Einstellen der Wassertemperatur oder bei der Wahl der Musiklautstärke. Wenn wir bestimmte Ziele erreichen wollen, vertrauen wir nicht mehr auf diese Empfindungen, sondern verdrängen sie. Das kann in bestimmten Situationen notwendig sein, zum Beispiel, wenn man, um eine Aufgabe fertig zu bekommen, länger am Schreibtisch sitzen bleibt, obwohl man spürt, dass Bewegung jetzt gut täte. Für kurze Zeit kann das effektiv sein. Auf Dauer führt es zu Abstumpfung der Mechanismen, die das physische Gleichgewicht schützen und wieder herstellen.

Und gerade bei Sport, wo der Körper im Mittelpunkt steht, sind diese Mechanismen wichtige Wegweiser, die vor Verletzung schützen können, wenn sie geübt sind. Zusätzlich zu dieser Wahrung des Gleichgewichts ist das natürliche Streben des Körpers nach angenehmen Empfindungen ein Motor dabei zu bleiben. Dinge, die angenehm sind, wiederholt man auch gerne und wenn man sich zur Bewegung nicht zwingen muss, sind auch die Trainingsresultate dementsprechend durchschlagend, weil sie in Partnerschaft mit dem Körper gewonnen werden.

Es sollte also besser heißen: No pain – your gain!